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    Bullshit FM läuft. Auch gerade. Auch bei dir.

    Bullshit FM läuft. Auch gerade. Auch bei dir.

    Du hast einen Sender im Kopf. Er heißt Bullshit FM. Er läuft seit Jahren. Wahrscheinlich seit Jahrzehnten. Keine Werbepause, kein Moderatorwechsel, keine Sommerpause. Er sendet einfach. Durch. Immer.

    Das Programm klingt ungefähr so.

    Du machst das wieder falsch. Andere schaffen das locker. Du bist zu empfindlich. Zu laut. Zu leise. Was sollen die Leute denken. Das wird eh nichts. Wer bist du denn, das zu wollen.

    Und jetzt kommt das Entscheidende. Dieser Sender klingt nicht nach Einbildung. Er klingt nach dir. Nach deiner eigenen inneren Stimme. Er klingt so vernünftig, so vertraut, so überzeugend – dass du irgendwann aufgehört hast zu fragen, ob er Recht hat.

    Du hörst ihm einfach zu. Schon immer. Er läuft so lange, dass du vergessen hast, dass man ihn auch abdrehen könnte.


    Ich kenne das aus den Menschen, die zu mir kommen. Menschen, die nach außen hin alles im Griff haben. Die funktionieren, die liefern, die lächeln auf LinkedIn. Und die nachts um zwei nicht schlafen können, weil Bullshit FM auf Lautstärke zehn läuft und ihnen genau erklärt, warum sie trotzdem nicht gut genug sind.

    Schöner Feierabend.


    Woher kommt dieser Sender? Du hast ihn nicht erfunden. Du hast ihn geerbt.

    Von einem Satz, der einmal zu oft gesagt wurde. Stell dich nicht so an. Von einem Blick, der deutlicher war als jedes Wort. Von dem Schweigen in einem Moment, in dem ein einziges Wort gereicht hätte. Von Erwartungen, die nie ausgesprochen wurden und trotzdem überall hingen wie schlechte Tapete, die sich in den Ecken ablöst.

    Niemand hat sich hingesetzt und gedacht: Ich programmiere dieses Kind jetzt so, dass es sich ein Leben lang klein macht. Es ist durch Wiederholung passiert. Durch das, was normal war. Durch das, was alle so gemacht haben.

    Das Kind macht daraus Wahrheit. Weil es keine andere Wahl hat. Und dann wird das Kind erwachsen. Zieht aus. Verdient Geld. Und Bullshit FM zieht einfach mit. Vollständig internalisiert. Jetzt deine eigene Stimme. Mietfrei.


    Hier ist der Moment, der alles verändert, wenn er wirklich ankommt: Gedanken sind keine Fakten.

    Nicht mal die überzeugendsten. Nicht mal die, die sich seit dreißig Jahren wie Wahrheit anfühlen und dabei so seriös klingen wie eine Tagesschau-Ansagerin.

    Du musst Bullshit FM nicht abschalten. Du musst ihn nicht bekämpfen. Wer anfängt zu kämpfen, gibt dem Sender erst recht Aufmerksamkeit. Was du tun kannst: den Sender beim Namen nennen.

    Wenn die nächste Welle kommt, wenn er dir wieder erklärt, dass du nicht gut genug bist, nicht fähig genug, nicht liebenswert genug – dann sag dir innerlich: Aha. Bullshit FM. Ich kenn euch.

    Nicht glauben. Nicht kämpfen. Nur erkennen.

    Zwischen dem Gedanken und deiner Reaktion liegt ein winziger Moment. So klein, dass du ihn lange nicht gemerkt hast. In diesem Moment liegt mehr Freiheit, als du dir gerade vorstellen kannst.

    Fang an, ihn zu suchen.

    Geschrieben von Julia Kumpf am 12. Mai 2026

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